Themen:
Die Kunst des Krieges
Die Kavallerie
Die Infanterie / Fußsoldaten
Atillerie



Die Kunst des Krieges

Einleitung: Eine der Hauptbeanstandungen auf den militärischen Schauplätzen Italiens im 15. Jhdt. War die anachronistische (nicht zeitgemäß) Entwicklung der schweren Reiterei welche Italien durch die Jahrhunderte dominierte, im Gegensatz dazu wurde die Entwicklung und der Gebrauch der Artillerie und der Ausbau der Infanterie sträflich vernachlässigt, kurz gesagt, das Militär erlebte keine Weiterentwicklung. Um das Gesamtbild des italienischen Militärs im 15.Jhdt. zu verstehen ist es wichtig einen Blick auf die Unterschiedlichen Komponenten der Armee und ihrer Methoden zu werfen.

Es ist richtig, dass die schwere Reiterei im Italien des 15. Jhdt. einen hohen Stellenwert besaß, rekrutierte sie sich doch aus der adligen Führungsschicht, solange es nur Kämpfe auf freien Feld gab war die Kavallerie sicherlich ein durchschlagendes Mittel, jedoch für große Belagerungen war eine starke Infanterie wertvoller.

Als 1469 die päpstliche Armee Rimini belagerte waren hier 5000 Kavalleristen und 5000 Mann Fußtruppe beteiligt.
1472 als Florenz sich formierte um Voltere zu unterjochen bestand die Florentiner Armee aus 10000 Infanteristen und nur 2000 Reitern. Armeen in der zweiten Hälfte des 15.Jhdt. bestanden aus mehr als nur Condottieri Einheiten.

Da waren zum Einen die Infanterie mit ihren Unteroffizieren welche ebenfalls auf Vertragsbasis beschäftigt waren, die Staffeln der stehenden „lanze spezzate“ und der „provisionati“ einigen Einheiten leichter Kavallerie, Schützen und tausenden von leicht gerüsteten und umgerüsteten Miliz und Pionier Abteilungen.

Die Zahl der Letzt genannten Elemente war gewöhnlich Volkommen abhängig von der Größe und den Proportionen der Armee, aber es muss daran erinnert werden, dass die Lanzen der Condottieri Kompanien immer leicht gerüstete Unterstützungstruppen unterhielten.

Der Wachstum und der Gebrauch von Befestigungen welche die bedeutendste Entwicklung in der Kriegsführung des 15. Jhdt. war, machte es für die Armee notwendig die Infanterie stärker auszubauen. Zur gleichen Zeit war das Herz der stehenden Truppen Frankreichs die schwere Reiterei, 1494 bestand die Hälfte der franz. Armee aus Reiterei.

Es ist unumstritten, dass der angesehenere Teil der italienischen Armee die Condottieri Abteilungen waren, aber diese waren ein rückläufiger Faktor.

Eine große Anzahl der Führungsspitze in der Infanterie rekrutierte sich aus dem Landadel, zu Anfangs war das Prestige nicht sehr hoch, aber als die Infanterieeinheiten an Größe und Qualität zunahmen, stieg auch ihr Prestige und somit auch das Ansehen ihrer Führer.

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Die Kavallerie

Im frühen 15. Jhdt. zeichnete sich die Kriegsführung in Italien durch Abwesenheit großer Infanteriekörper aus. Es gab kein vergleichbares Äquivalent in der Kriegsführung wie es z.B. die Englischen Bogenschützen oder die Schweizer Pikeniere waren.
Dadurch gab es auch keinen besonders hohen Druck auf die Reiterei und deren Kommandanten, auch war es nicht notwendig die Reiter absitzen zu lassen oder deren Kampfesweise anzupassen.

Die Basiseinheit in den Streitkräften bleibt bis ca. 1450 die 3-Mann Lanze. Dies war keine all-round Kampfeinheit vom Typ der franz. oder burgundischen Lanze, in welcher Bogenschützen oder Armbrustschützen die Reiterei unterstützten. Die italienische Lanze ist im Wesentlichen eine Reitereinheit und hatte ihre Begründung in der sozialen und militärischen Ausrichtung. Im frühen 15.Jhdt. hatte die 3-Mann Lanze ihre Qualitätsmerkmale von Hawkwood (Giovanni Acuto), in welche zwei identisch ausgestattete/gerüstete von einem Pagen begleitet wurden. Es war zunehmend das Ziel des Pagen den beiden Führern der Lanze zu dienen, er hielt und führte das Pferd, pflegte die Waffen und die Rüstung, bereitete das Essen und übernahm Botengänge.

Nach 1450 war die 3-Mann Lanze nicht mehr die Regel in den Streitkräften, anfänglich waren die Änderungen rein Informel, die einzigen Anzeichen dafür konnte man in den Verträgen welche die minimalen Stärken der schwer gerüsteten Reiter regelte feststellen.

Zunehmend repräsentierte dieser Teil der Armee nur noch ein Drittel und wurde als „armigeri veri“ oder „elmetti“ bezeichnet.

Die „corazza“ war die Weiterentwicklung der Lanze. Zum Ersten mal wurde diese Form in den päpstlichen Streitkräften eingesetzt, organisiert wurde diese Form in 6-Mann Lanzen. Zu jener Zeit änderten sich auch die Bedürfnisse der schwer gepanzerten, das steigende Gewicht der Rüstungen von Mann und Pferd bedeutete, dass beide schneller ermüdeten und der Reiter während einer Schlacht mehrmals das Pferd wechseln musste. Dies wiederum erklärt auch die steigende Dienerschaft welche Mann und Tier versorgen musste.


Durch die Veränderung der Lanze änderte sich auch die Reiterei, es ging der Trend zu einer Standardisierung der großen Kavallerie Einheiten, diese Standardisierung bildete sich in den Staffeln zu 25 Lanzen ab, die Organisation der Condottieri Kompanien setzte genau an dieser Basis an.

Es wurden nicht nur die „condotte“ standardisiert sondern auch die Staffeln zu 20-25 Lanzen. Im fortschreitenden Jahrhundert wurde die Größe der Lanze bemessen und an ihre Stelle trat die Staffel. Eine Staffel in den Jahren zwischen 1460-1470 umfasste 150 Männer. Aber die maximale Kampfstärke blieb bei 25 schwer gerüsteten welche von einen „caposquada“ oder „squadriere“ kommandiert wurden.

Ein weiteres Merkmal in der Organisation der Condottieri Einheiten waren die Eingreiftruppen welche als „colonna“ bezeichnet wurden. Ihre Größe richtete sich nach der Stärke der Armee, Gruppen von 8-10 Kavallerie staffeln wurden hier zusammengefasst, kommandiert wurden diese von einen erfahrenen Condottiere, welcher den Rang eines „colonello“ bekleidete.

Abseits dieser Veränderung in der Organisation und der Formation veränderten sich auch die Methoden der schweren Reiterei ab der Mitte des 15.Jhdt. Ein größeres Gewicht wurde auf die Staffel gelegt dadurch erreichte man eine erhöhte Flexibilität und Disziplin am Schlachtfeld.

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Die Infanterie / Fußsoldaten

Es ist eine übliche Ansicht, dass disziplinierte und effektive Infanterie größten Teils auf den italienischen Militärschauplätzen in der zweiten Hälfte des 15.Jhdt. so gut wie fehlte.

Zu Beginn des 15.Jhdt. war die italienische Infanterie in 3 Truppenkörper unterteilt. Dies waren die Einheiten der Infanterie-Lanzen, die Schildträger und die Armbrustschützen. Jede damalige Infanterieeinheit war zu gleichen Teilen mit diesen Truppen bestückt, auch die großen Condottieri Kompanien besaßen einen kleinen Teil Infanterie. Es ist jedoch wahr, dass die Rolle der Infanterie zumeist defensiv war, die Aufgabe der Lanzenträger und der Schildträger bestand zu Anfangs darin einen Schutzwall zu bilden die angreifenden Truppen abzuwehren und den eigenen Condottieri Kompanien einen Raum für die Formierung zu geben. Ein größerer Schwerpunkt der Infanterie lag in der Belagerung von Festungen und Städten.

Die Armbrust war die gebräuchlichste und meist verwendete Diestanzwaffe in den italienischen Armeen und behauptete sich hier schon seit dem 13.Jhdt.

Natürlich gab es auch hier kleine Einheiten von Englischen Bogenschützen, jene begegnen uns seit ca. 1430.

30 Bogenschützen unter John Clement und Godfrey Reynolds waren in Florentinischen Dienst zu jener Zeit. 1431 dienten unter Walter von England 90 Bogenschützen der Serenissima. Die Bezahlung dieser Einheiten war weitaus besser als die Bezahlung der einfachen italienischen Infanteristen. Dies kam vermutlich daher, dass diese in der Tradition von Hawkwood nämlich beritten wie dessen Bogenschützen waren. Jedoch gab es immer eine Dominanz der Genueser Armbrustschützen. Die Venezianer erlernten den Umgang mit der Armbrust während ihrer zivilen Verpflichtungen, und sie war die Hauptwaffe der Garnisonstruppen und der Stadtwachen.

Mit dem steigenden Ansehen legten auch Kommandanten wie Sforza und Braccio mehr Wert auf ihre Infanterie. Francesco Sforza entwickelte eine hoch disziplinierte Infanterie Streitkraft, kommandiert von Männern wie Pietro Brunoro und Donato del Conte, in welchen Armbrustschützen und später Handbüchsenschützen dominierten.

Braccio da Montone hatte die gleichen Ideen als er seine Infanterie entwickelte, ein leichter Infanterist bewaffnet mit Schwert und rundem Schild.


Der neue Typus der Infanterie bestehend aus Schwert und Schildeinheiten wurde zunehmend populär in Italiens Streitkräften diese wurden von Braccio eingeführt. Jene Einheiten bestanden aus leicht gerüsteten für den Kampf Mann gegen Mann ausgebildeten Soldaten. Diese Art der zu Kämpfen wurde schon in Spanien in den Kämpfen gegen die Mauren angewendet.

Die beste Infanterie entstand jedoch in der Lombardei und wurde von den Begebenheiten der dortigen Kriegsführung beeinflusst. Ein weiterer Grund dafür war das es in den Bergen und Tälern von Umbrien, der Romagna und den Abruzzen die meisten Männer zum Rekrutieren gab.

Ein großer Anteil der führenden Hauptleute in der päpstlichen Infanterie waren Spanier, dies ist auf die Politik Calixtus des III rückzuführen.

Es war zur gleichen Zeit als sich die Hauptentwicklung in der Infanterie durchsetzte und zwar die Handfeuerwaffe. Die früheste Handfeuerwaffe war die „schioppetto“ diese wurde schon im späten 13.Jhdt. eingeführt.

Ab 1430 nahm die Anzahl der spezialisierten Schützen zu, bedeutende Führer wie Francesco Sforza, sein Cousin Micheletto, Venedigs berühmtester Condottiere Bartolomeo Colleoni und seine Hauptleute konnten die Entwicklung dieser Waffe nicht unbeachtet lassen.

1448 in der Schlacht von Caravaggio, hatte Francesco Sforza eine große Anzahl Schützen in seiner Armee, so dass Chronisten bemerkten, dass die Kontrahenten am Schlachtfeld sich nicht sahen, weil der Pulverdampf so stark war.

In den Jahren nach dem Frieden von Lodi 1454 wurden die Schützen in den stehenden Einheiten zum Standard. An der Belagerung von Rimini 1469 durch die päpstliche Armee nahmen 77 Schützen geführt von einem deutschen Kommandanten teil.

1467 bestand ein Fünftel der Mailänder Armee aus Schützen, 1482 während den Vorbereitungen zum Krieg gegen Ferrara bestand das Mailänderkontingent aus 1250 Handrohrschützen, 352 Arkebusieren jedoch waren hier nur mehr 233 Armbrustschützen beteiligt.

Der Mailänder Schütze war ausgestattet mit einer stählernen Hirnhaube, einer Brustplatte und als Zusatzbewaffnung führte er ein Schwert und eine Helmbarte.

1490 wurden berittene Schützen von Camillo Vitelli und Cesare Borgia eingesetzt.

Wie wir sehen gab es im 15.Jhdt. durchaus einen beachtlichen Anteil an Infanteristen in den Italienischen Armeen, sicherlich keine Pikeniere in der Art der Schweizer Reisläufer oder den Deutschen Landsknechten, dies begründet sich aus der Natur des Söldnersystems Italiens welches nicht daran gewöhnt war mit solchen Massen an Fußvolk zu operieren. Es stand jedoch eine große Anzahl an Spezialisten und gut trainierten Infanteristen zu Verfügung und diese spielten auch eine beachtliche Rolle in der Kriegsführung.

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Artillerie


Eine Kategorie der Infanterie wurde noch nicht besprochen und zwar die Einheiten der Schützen und Kanoniere. Der exakte Moment der Erfindung ist immer noch Gegenstand von Diskusionen unter Historikern und Militärexperten.

Das 14.Jhdt. hindurch gibt es eine Fülle von Anhaltspunkten über den Gebrauch von Artillerie in Italien.

Florenz produzierte bereits 1326 Kanonen welche Eisenkugeln abfeuern konnten, die päpstliche Armee im 14.Jhdt. war eine der Best ausgestatteten Einheit in diesem Bereich.

Die einzig beglaubigte Schlacht in welcher Kanonen zum Einsatz kamen war jene von Castagnaro 1387. John Hawkwood führte hier die Truppen von Padua, er bereitete den Veroneser Truppen einen Hinterhalt in welchen er Armbrustschützen und Kanoniere abstellte, das Resultat war eine totale Niederlage der Veroneser Einheiten.

Im 15.Jhdt. erschienen immer mehr Kanonen am Schlachtfeld und viele der Condottieri waren vertraut mit dem Umgang der Kanonen.

Carmagnola verwendete Artillerie 1419 um Bergamo einzunehmen, Bartolomeo Colleoni war ein großer Befürworter des Schützenwesens und der Artillerie.

Bei Caravaggio und Molinella 1467 richtete die Artillerie eine wahres Blutbad unter den feindlichen Soldaten an, Colleoni verwendete seine Kanonen derart meisterlich, dass er fälschlicherweise in den Ruf kam, er wäre der erste der Artillerie einsetze.
Viele der Condottieri Kompanien hatten ihre eigenen Kanonen; nicht nur große Figuren wie Francesco Sforza oder Colleoni verwendeten sie, sondern auch die mittleren bis kleinen Kompanien hatten sie im Gebrauch wie z.B. Tiberto Brandolini welcher 1450 im Dienste von Mailand stand.

Brandolini hatte 400 Lanzen und er war in der Lage diese mit 2 Bombarden und 2 kleineren Kanonen zu unterstützen.
Die Großen Artillerie-Züge waren alle im Besitz des Staates; die Produktion, Anschaffung und Materialkosten welche dafür aufgewendet werden mussten konnte sich nur der Staat leisten. Weitere Probleme waren die der Verwaltung und die Organisation des Transportes um solch ein Unterfangen zu bewerkstelligen.

Der Mailänder Artillerie-Zug von 1472 bestand aus 16 Kanonen, den dazugehörigen Ersatzteilen, Handrohre, Büchsen und Pulver. Dies verlangte für den Transport 227 Karren und 522 paar Ochsen.

Eisen und Bleikugeln waren in Italien nicht unbekannt, tatsächlich feuerten schon die ersten Kanonen im 14.Jhdt. diese Art von Kugeln ab, jedoch war ihr Kaliber klein. Die schweren Kanonen im 15.Jhdt. feuerten alle mit Steinkugeln welche entweder mit den Geschützen mittransportiert wurden oder Vorort aus dem Fels gehauen wurden. Dies machte Steinmetze zu einem fixen Bestandteil von Geschützmannschaften. Jene Steinkugeln konnten ein Gewicht von 150kg besitzen, bei solch einer Größe und Masse befindet man sich jedoch schon im Bereich des Belagerungskrieges. Um diese Art von Geschütz in Stellung zu bringen und feuerbereit zu machen konnten mehrere Wochen vergehen.

Kanonen und ihre Mannschaft mussten vor Gegenbeschuß und einem Ausfall Geschütz werden.
In der Tat wurden Kanonen mehr zum Schutz von Städten eingesetzt als zu deren Angriff. Zu diesem Zweck wurden die Kanonen fix an den Mauern befestigt, dies gewehrleistete eine schnellere Bedienung und Einsatzbereitschaft.

1381 hatte Bologna 35 Kanonen zum Schutz der Stadt an den Mauern. Kleine päpstliche Festungen wie Soriano hatten 1449 zwölf Kanonen, Ostia 1455 elf Stück.

Die Engelsburg (Castel Sant ‘Angelo) in Rom hatte ein Riesengeschütz von 4,5t und 1470 sechzehn statische Geschütze an den Mauern.

Imola besaß 1473 dreiunddreißig Kanonen und 1469 als die Venezianer Brindisi einnahmen fand man nicht weniger als 98 Kanonen zur Verteidigung vor. Dies war zu einer Zeit als die Belagerer immer noch traditionelles Equipment im Gegensatz zu den Kanonen und Büchsen verwendeten welche länger brauchten um in Stellung gebracht zu werden.


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Quellen:
Michael Mallett „Mercenaries and their Masters – Warfare in Renaissance Italy“