Die Organisation des Krieges

Das Handwerk der gewaltsamen zwischenstaatlichen Auseinandersetzung übernahm seit dem späten 14. bis zum frühen 16. Jahrhundert eine sehr heterogene Gruppe Landadeliger, talentierter Aufsteiger und kriegführender Fürsten. Vor allem jüngere aus adligen oder fürstlichen Familien schlugen militärische Karrieren ein. Das Stereotyp vom Bauernsohn, der zum Fürsten aufstieg, gehört in das Reich der Legende – de allerdings bereits von alters her gepflegt wird.

Michael Mallet nennt rund 170 „leading captains“ für das 15. Jahrhundert, von denen knapp zwei Drittel aus lediglich dreizehn Familien unter ihnen die namhaftesten Fortebracci, Attendoli-Sforza, Colonna, Orsini stammen.


Die Gruppe der Condottieri kann mit etwas Vorsicht mit einem feudalen Gefolge und einer Handelsgesellschaft verglichen werden. Ein Großteil der Gefolgschaft wurde durch Familienbande verknüpft, oder durch persönliche Loyalität und einige mehr durch gegenseitige Verträge gebunden.

Eine große Kompanie wurde in mehrere Einheiten gegliedert. Die größte Einheit bildete die „casa“ der sogenannte Haushalt eines Führers der Armee. Diese Einheit vereinigte die erfahrensten und treuesten Männer/Kämpfer aber auch die Schatzmeister, Reitknechte, Trompeter und viele verschieden Diener.

In der „casa“ des Condottiere Sigismondo Malatesta, waren viele der Kämpfer Nachkommen der herrschenden Adelsfamilien aus Rimini dessen Herr er war. Eine weitere Einheit der Kompanie wurde von den „squadrieri“ geführt, alle Mitglieder dieser Einheit erhielten Verträge, welche sie an den Condottiere bindeten.

Micheletto Attendolo´s Kompanie von 1441 zählte 561 Lanzen, diese wurden aus organisatorischen Gründen in 87 Einheiten gegliedert mit einem Minimum von 5 Lanzen. Diese Einheit waren Autark.

Zu Beginn des 15.Jhdt. war die militärische Organisation noch nicht so ausgebildet wie zum Ende des 15. Jhdts.. Die Reform der Armee Karl des VII von Frankreich 1439 und dann 1445 wurde oftmals als Basis der ersten stehenden Armee Europas angenommen. Diese „compagnies d´ordonnance“ von 100 sechs Mann pro Lanze, jede kommandiert von einem Kommandanten welcher durch die Krone ernannt wurde. Weiters wurde es verboten Truppen von anderen als der Krone auszuheben. Man begann ebenfalls daran Rekruten für die Infanterie einzuziehen; diese Männer wurden hauptsächlich mit Armbrüsten ausgestattet und als Anreiz von den Steuern befreit. Ihr Name “franc archers“.

Dass diese Anordnung eine Neuheit von Frankreich und in Europa einzigartig war ist heute viel von Historikern diskutiert, aber dies hilft uns zu definieren was mit dem Begriff einer stehenden Armee gemeint ist.

Zu aller erst ist so eine Armee anhaltend durch eine professionelle Basis organisiert; zweitens besteht sie aus Kompanien gleicher Größe, sie ist einheitlich gerüstet und drittens die Offiziere und Soldaten direkt dem Staat unterstellt, beschäftigt, von diesem besoldet und dem Staate verantwortlich.

Der französische Chronist Phillippe de Commynes kommentierte , dass die Reform der französischen Armee von Karl den VII dieses Prinzip von Italien und seinen Staaten übernahm, reich und hoch qualifiziert gut organisiert mit dem Wissen einer permanenten, gut trainierten und Loyalen Armee im Hintergrund.

Eine italienische Armee im 15. Jhdt. War in 2 Teilen organisiert. Auf der einen Seite waren die Söldnerkompanien der Condottieri und deren Unterführern, auf der anderen Seite stand eine wachsende Truppe jedweder Kategorie, als eigenständiges Individuum direkt dem Staate unterstellt.

Die ersten stehenden Truppen in Italien waren Garnisonstruppen. Garnisonstruppen und Stadtwachen wurden von Unteroffizieren mit Langzeit Verträgen ausgebildet, meist waren diese Männer Infanteristen. Solche Männer wurden als „provisionati“ bezeichnet, dies kam, weil sie eine Provision (Gehalt) vom Staat erhielten. Aber in der Mitte des 14.Jhdt. bezeichnete das Wort „provisionati“ die erste dokumentierte Kavallerieinheit in Italien, dies waren die provisionati Bernabó Visconti, welche 1369 rekrutiert wurden. Diese Männer wurden von ansässigen Mailänder Offizieren angeworben, und erhielten auch einen Gehalt in Friedenszeiten. Es wurde von Ihnen erwartet in einer Rotation von 2 Monaten im Jahr zu dienen, sie erhielten eine Uniform bestehend aus rotem Mantel und Tunika, mit dem silbernen Symbol der Visconti. Die berittenen provisionati der Visconti waren nur ein kurz Zeit Experiment, aber schon 1420 durch Filipo Maria Visconti dem Herzog von Mailand trat an deren Stelle eine gleichbedeutende Streitmacht bekannt als die „familiares ad arma“. Oder später auch „famiglia ducale“ genannt.

Wie auch immer, ab der Mitte des 15.Jhdt. benutzen alle Staaten Italiens einen anderen Typ berittener Streitkräfte, bekannt als die „lanze spezzate“.


Dieser Namen bedeutet gebrochene Lanze und bezeichnet den Beginn von einzelnen berittenen Soldaten, welche aus verschiedenen Gründen aus den Kompanien der Condottieri gelöst wurden und dem traditionellem Verband der Lanze entsprangen und direkt in den Dienst eines Staates traten.

Obschon die Kompanien der „lanze spezzate“ tendenziell in Lanzen organisiert waren, wie alle schweren Reiter dieser Zeit, waren sie hauptsächlich vom Staat abhängig. Wahrscheinlich schreiben sich einige Männer aus Geste der Unabhängigkeit in die „lanze spezzate“ ein, aber im Ganzen bestand diese Truppe aus Deserteuren anderer Armeen oder vorzugsweise aus Gruppen von Soldaten deren Condottiere getötet wurde. Ein Standardverfahren welches angewandt wurde um zu einer guten Armee zu kommen.
Die Mitglieder der „lanze spezzate“ wählten aus ihren Reihen einen Kommandanten und diese „lanze spezzate“ bildete dann den Kern der Kavallerie.

Was war nun mit den festen / stehenden Infanterie Streitkräften? Die Infanterie wurde normalerweise wie die Kavallerie angeworben und mittels einer „condotta“ an ihre Unteroffiziere gebunden. Die Dauer und die Anzahl der Männer wurde so festgelegt.

Bei der stehenden Infanterie wurde immer mehr das System der „provisionati“ angewendet, welches schon zuvor erklärt wurde.
Mailand zum Beispiel hatte in den 1420er Jahren 1000 provisionati, später fand man auch noch Hinweise von provisionati im Dienste von San Marco in Venedig.

Die Infanterie der päpstlichen Armee nach 1450 war klar geteilt zwischen Einheiten mit einer condotta und den Unteroffizieren und den provisionati, welche unterschiedlich entlohnt wurden und von ausgewählten Stabsunteroffizieren kommandiert wurden welche wiederum der „camera apostoloca“ (=päpstl. Finanzbehörde) unterstanden.

Ab 1476 hatte Mailand 10000 Infanteristen, darunter 2000 Büchsenschützen.

Ab 1456 wusste Frankreich, dass Mailand 12000 Kavalleristen in Friedenszeiten hatte, in Kriegszeiten konnte Galeazzo Maria Sforza 43000 Mann ins Feld führen.

Bei solchen Unternehmen wurden alle Kommandanten in Kategorien eingeteilt.


Zu allererst kamen die Dienstältesten Condottieri, diese waren in Besitz von Langzeitverträgen und hatten auch in Friedenszeiten das Kommando über die Armee. Dies waren namhafte Persönlichkeiten wie z.B. Ludovico Gonzaga Herr über Mantua, Pino Ordelafi da Forli, Constanzo Sforza da Pesaro und Giovanni Bentivoglio aus Bologna ebenfalls darunter Roberto Sanseverino und Donato del Conte, diese waren die Kommandanten der stehenden Infanterie und der Kavallerie.

Die nächste Kategorie waren jene Condottieri deren Verpflichtungen nur nominell „ad discretionem“ waren. In Friedenszeiten erhielt diese Kategorie keine Bezahlung.

Ihre Stärke in Kriegszeiten umfasste 6500 Mann Kavallerie.

Venedig hingegen hatte in den 14701er Jahren eine wesentlich kleinere Armee, sie betrug weniger als 10000 Mann, konnte aber in Krisenzeiten schnell auf bis zu 20000 Mann aufgestockt werden wie z.B. für den Krieg gegen Ferrara.

Die Venezianische Infanterie war besonders stark und die Armee hatte eine besser trainierte Miliz welche sie unterstützte als andere italienische Staaten.

1483 hatten sie 6 Staffeln von Stradioten, dies waren gefürchtete albanische leichte Kavalleristen welche Venedig in Italien einführte und auch einsetzte.

Das stätige Wachstum der stehenden Armeen im Italien des 15.Jhdt. brachte eine Änderung in der Methode der militärischen Verwaltung mit sich.

So lange Armeen im Feld auf eine sehr befristete Grundlage beschäftigt und versammelt waren, war die administrative Struktur, die erforderlich war sehr provisorisch.

Spezielle Beamte wurden benötigt um die Soldaten zu rekrutieren und deren Verträge auszuarbeiten, zivile Komissäre wurden berufen und in die Struktur der Armeen eingebunden um diese zu begleiten und die Unterstützung welche benötigt wurde um eine Feldzug zu bestreiten zu gewehrleisten.

Auf einer unteren Ebene waren die Komissäre die Vorsitzenden für Verwaltungstechnische Belangen auf militärischer Ebene.
Zahlmeister, Versorger, Quartiermeister, Inspektoren und Transportoffiziere wurden benötigt um die Bedürfnisse der Armee als Ganzes zu garantieren, während die Condottieri Kompanien fortfuhren ihre eigenen Kanzler und Schatzmeister zu haben.
Möglicherweise waren die bedeutsamsten und leistungsfähigsten Beamten die „collaterale“ welche begannen die gesamte Verantwortlichkeit für die Verwaltung der Armeen zu übernehmen.

Sie arbeiteten die Verträge aus und unterzeichneten diese, beaufsichtigten und bezahlten, spürten Deserteure auf und überwachten die Demobilisierung. Sie erzwangen die Regulierung der Organisation und überwachten die Disziplinären maßnahmen welche jede Armee verwendete.

Tatsächlich hatten die „collaterale“ ihren Platz in der Rangordnung an der Seite des „capitano generale“ somit war der Komissär eine der wichtigsten Figuren in einer Armee des 15. Jhdt. In Italien.

Quellen:
Michael Mallett „Mercenaries and their Masters – Warfare in Renaissance Italy“